Sinngemäss fiel dieser Satz auf dem Podium, das letzte Woche das ETH Forum Wohnungsbau «Grün und bezahlbar?» abschloss. Es fehle ein gemeinsames Problemverständnis. Raumplanung sei nicht mehr Planen, sondern Verhandeln, und die Interessenabwägung sei genau dieses Wir.
Wer verhandelt in diesem Wir? Schutzinteressen seien in der Raumplanung für die Umwelt stark artikuliert, für soziale Themen nicht, hiess es. Aus dem Saal kam: In Silos sei man maximal, zusammen werde es ein Kompromiss. Nur, wer vertritt darin das Interesse an mehr Wohnraum am richtigen Ort?
Auf dem Podium sassen acht Personen: die Stadt Zürich gleich doppelt, dazu Mendrisio, der Kanton Zürich und der Bund, die Forschung, die Immobilienberatung und der Dachverband der Genossenschaften. Keine institutionelle oder private Grundeigentümerschaft. Über die Mehrwerte des Bodens wurde gesprochen, auch darüber, dass sie bei den Bodeneigentümern anfallen. Die Immobilienbranche erhalte aber nicht zu wenig Raum, ihr Wissen zu teilen. Zum Schluss fragte die Moderation, wie man die Institutionellen in solche Gespräche bringt.
Die Grundeigentümerschaften haben durchaus Einfluss, bilateral, Areal für Areal, über Vereinbarungen zum einzelnen Projekt. Nur kommt diese Aushandlung zu spät. Die Zonen stehen dann fest, jedes Areal wird zur Ausnahme, die sich rechtfertigen muss. Sie haben also nicht zu viel Raum, sondern erhalten ihn im falschen Kanal und zum falschen Zeitpunkt.
Aus dem Kanton kam der Hinweis, Reserven gebe es viele, nur an Orten, die auch aus Sicht der haushälterischen Bodennutzung nicht sinnvoll sind. Sie an die richtigen Orte zu bringen, ist ein strategischer Entscheid der Ortsplanungsrevision, die etwa alle 15 Jahre ansteht. Dort gehört der Streit hin, anhand von Szenarien, mit den Grundeigentümerschaften und der Bevölkerung.
In Flawil lagen an zwei Veranstaltungen drei Szenarien auf dem Tisch, mit einem Stimmungsbild nach jeder Runde. Der Anteil, der eine Stärkung des Ortszentrums durch mehr Einwohnende in Gehdistanz bevorzugte, stieg von 63 auf 93 Prozent, die Unentschlossenen sanken von 35 auf 2 Prozent. Kein Kompromiss, sondern ein gemeinsamer Entscheid.
Anderswo kommen 10-Minuten-Nachbarschaften höchstens als Antrag in der Mitwirkung auf den Tisch. Dann zählen pro Parzelle vier Zahlen: Der Bestand: was heute steht. Die alte Ordnung: was bisher zulässig war. Das neue Recht: was der Entwurf zulässt. Das Soll: was die Lage an Erreichbarkeit und Dichte für eine 10-Minuten-Nachbarschaft tragen müsste.
Wer nicht mitwirkt, bekommt Nummer 3. Der Hebel für mehr Wohnraum am richtigen Ort liegt bei Nummer 4.
Ob Wohnraum grün und bezahlbar wird, entscheidet sich nicht beim einzelnen Bauprojekt, sondern dort, wo die Gemeinde festlegt, wo ihre Zukunft liegt.
Das BWO-Referenzprojekt Flawil nahm übrigens seinen Anfang am ETH Forum Wohnungsbau 2024. Danke dem ETH Wohnforum - ETH CASE für die Tagung 2026. Activate to view larger image,
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