← Blog

Eine Einzimmerwohnung, die Kuh im selben Haus

Eine Einzimmerwohnung, die Kuh im selben Haus, Arm und Reich in derselben Gasse, vieles zu Fuss erreichbar. Joachim Eibach beschrieb am Dienstag die Frankfurter Innenstadt vergangener Jahrhunderte.

Eine Arbeitsgruppe Hühner, an der nächsten Quartalsversammlung der Entscheid über eine Sauna auf dem Dach. Madlen Kobi wohnt in der Genossenschaft Warmbächli und berichtete von dort.

Eibachs Frankfurt war ungefähr ein 500-Meter-Radius, die ganze Stadt passte hinein. Eine Stadt wie Bern besteht heute aus vielen solchen Radien. Meine Frage ist, wie viele davon funktionieren als 10-Minuten-Nachbarschaften.

Auf dem Heimweg fiel mir etwas auf, obwohl ich beide Zahlen längst kannte. Gemeinnützigen Bauträgern gehören rund fünf Prozent der Schweizer Wohnungen. In einer 10-Minuten-Nachbarschaft lebt rund jede zwanzigste Person. Einmal sind es Wohnungen, einmal Menschen, die Grössenordnung ist dieselbe. Beides ist beliebt. Beides ist selten.

Die Hürden sind verschieden. Bei der Genossenschaft sind es der Boden, dazu Zeit, Ausdauer und Finanzwissen. Bei der Nachbarschaft ist es das Baurecht. Für die eine Hürde gibt es Instrumente, weil sie seit Jahrzehnten jemand fordert. Für die andere gibt es keine Zielgrösse in der Grundordnung und keinen Nachweis, den eine Gemeinde erbringen müsste.

Warum fällt das so wenigen auf? Vermutlich wegen des Velos oder Autos. Wer genug Versorgungsangebote in zehn Fahrminuten erreicht, muss nicht verlangen, dass sie in zehn Gehminuten liegen. Beide lösen das Problem individuell. Die Nachbarschaft trägt deswegen noch keinen Laden.

In Bern erreicht einzig die Breitsch über 10'000 Einwohnende im 500-Meter-Radius. Dort stimmen die baurechtlichen Grundlagen, historisch gewachsen als Blockrand. Die Länggasse erreicht es nicht, trotz Tierspital und Stadtwald, es wohnen zu wenige Menschen dort.

Auf einem Areal wie dem Warmbächli entscheidet nicht die Genossenschaft, ob eine 10-Minuten-Nachbarschaft entsteht. Wie dicht gebaut werden darf, auf der eigenen Parzelle wie ringsum, steht im Nutzungsplan.

Gestellt hat die Frage bisher ein Dorf. Flawil ist vom Weiter-wie-bisher zur 10-Minuten-Nachbarschaft im Ortszentrum gerückt, die Zustimmung stieg im Beteiligungsprozess von 63 auf 93 Prozent. Das Bundesamt für Wohnungswesen führt das Projekt als Referenz.

Das war der zweite Abend der Berner Forumsgespräche «Wohnen im Wandel» der University of Bern. Elisabeth Zäch, die den Abend moderiert hat, machte daraus ihr Schlusswort: in der Mitwirkung mehr 10-Minuten-Nachbarschaften für die Stadt Bern zu fordern.

Bern revidiert seine Grundordnung in Paketen. Die Mitwirkung kommt zum Schluss.

Danke an Heinzpeter Znoj und das Forum für Universität und Gesellschaft für die Einladung.

Was mir unterwegs auffällt, bündle ich neu viermal im Jahr in einem Newsletter. Link zur Aufzeichnungen und zum Newsletter Nr. 1 im ersten Kommentar.

Bild: © Stefan Wermuth / FUG

Original-Beitrag auf LinkedIn ansehen

Link zur Aufzeichnung Forumsgespräch «Wie wollen wir wohnen?» des Forums für Universität und Gesellschaft

Weitere Beiträge